Archive for the ‘everyday rubbish’ Category
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Monday, May 2nd, 2011Ich kann nicht mehr schreiben, so sieht’s aus.
Lesen lieben, Lesen hassen
Sunday, May 1st, 2011Ich liebe Bücher.
Ich liebe den Geruch frisch gedruckter Bücher. Mit frisch gedruckt meine ich extrem frisch, direkt aus dem Druckbogenstapel gezupft. Ich liebe Bücher schon in dem Zustand, in dem sie eigentlich noch gar keine Bücher sind, sondern scheinbar willkürlich auf einem grossen Blatt Papier verteilte Buchseiten.
Je nach dem mag ich sie sogar schon, wenn sie als Manuskript bei uns angeliefert werden. Als ich letztes Jahr mein erstes Buch setzen konnte, habe ich mich in die Arbeit verliebt, in den Anblick einer in Archer Book gesetzten Doppelseite. (Der Inhalt war zwar absolut nicht nach meinem Geschmack, dazu noch geschrieben von einem Pastor einer Freikirche…)
Man lernt jede Seite kennen, sieht jeden etwas zu grossen Weissraum im Text und ist eigentlich nie ganz zufrieden. Und doch hat man, wenn das fertige Buch vom Buchbinder zurückkommt, das Gefühl von «das haben wir gut gemacht».
Die meisten Bücher, die wir drucken, werden allerdings fertig als PDF angeliefert. Mir bleibt das Ausschiessen (platzieren der Seiten auf dem Druckbogen) und das Belichten der Druckplatten, ersteres eine Arbeit, die mich immer wieder herausfordert. Zwar bekomme ich von W1 oder direkt vom Buchbinder ein Schema, das mir zeigt, wie die Seiten platziert werden müssen, aber ich muss sicherstellen, dass jede Seite auf jedem Druckbogen am richtigen Ort ist, dass keine Schnittzeichen und Passkreuze irgendwo im Druckformat sind, dass die Flattermarken an der richtigen Stelle sind (der eine Buchbinder will sie am Kopf, der andere am Rücken, der eine hat eine Maschine, die sie selber einliest, der andere muss sie von Hand kontrollieren). Wenn ich da etwas versaue, ist das ganze Buch versaut.
Manchmal wäre ich echt froh, ich hätte ein bisschen ein moderneres Ausschiessprogramm, andererseits halte ich so mein Hirn beweglich.
Es ist schön, zu wissen, wie ein Buch entsteht. Aber nicht notwendig, um Bücher zu lieben. Ich mochte Bücher schon, bevor ich begonnen habe, in der Druckbranche zu arbeiten.
Schon als kleines Kind mochte ich Bücher. Im Kindergartenalter habe ich versucht, mir das Lesen beizubringen, weil ich nicht immer warten wollte, bis sich jemand erbarmte, mir meine Lieblingsbücher (Die kleine Hexe und Das kleine Gespenst) vorzulesen.
Bis ich achtzehn war, wohnte ich sehr nahe bei einer Bibliothek. Sehr nahe heisst: zwei Minuten zu Fuss. Wahrscheinlich habe ich in all den Jahren die Hälfte der dort vorhandenen Bücher in den Händen gehalten. Und einen Grossteil davon auch gelesen. Man konnte dort zehn Bücher auf einmal ausleihen und sie vier Wochen behalten. Es gab auch CDs (eine verschwindend kleine Sammlung) und, wenn ich mich richtig erinnere, auch Videos. Letztere waren von keinerlei Interesse für mich, da wir keinen Videorekorder hatten.
Oft war ich mehrmals pro Woche in der Bibliothek. Vielfach habe ich die Bücher gleich an Ort und Stelle gelesen, vor allem die Jugendbücher, die waren meist sehr kurz und wunderbar leicht zu lesen. Über die Jahre habe ich mir eine Schnelllesetechnik angeeignet, die es mir erlaubte, in einer knappen halben Stunde eins dieser Jugendbücher zu lesen. Heute arbeite ich daran, mir diese furchtbare Schnellleserei wieder abzugewöhnen, weil ich oft zwar nicht unbedingt wichtige aber doch amüsante Details schlichtweg überlese. Daher lese ich Bücher oft zwei-, drei- oder sogar viermal. Und jedes Mal entdecke ich wieder neues.
Heutzutage reicht es mir meistens nicht, ein Buch einfach zu lesen. Ich will es besitzen. Secondhand-Bücherläden sind ein Fluch und ein Segen für mich. Man findet dort Bücher, die schon lange nicht mehr gedruckt werden oder sonstwie vergriffen sind. Allerdings findet man die höchstens per Zufall – wenn man etwas sucht, kann man an der schieren Masse an Büchern verzweifeln. Mit weniger als fünf Büchern gehe ich selten nach Hause. Natürlich gibt’s da auch noch die normalen Buchläden, von denen ist mir besonders der englische Orell Füssli in Zürich ans Herz gewachsen. Englische Bücher, vor allem Taschenbücher, sind oft viel aufwendiger gestaltet als deutsche. Also, der Umschlag – gesetzt sind sie oft ganz furchtbar.
Über die Jahre haben sich so … einige Bücher angesammelt. Ich hab so ein Ikea-Regal, da stehen sie unterdessen in drei Reihen hintereinander. Dann ist da noch ein anderes Regal, halbvoll – halb aber auch bloss, weil der Rest davon mit anderem Kram überfüllt ist.
Der Geruch von Büchern ist auch so eine Sache. Keine zwei riechen genau gleich. Beim letzten Umzug habe ich noch alte Bücher von meinem Vater im Keller gefunden und obwohl sie fast zwanzig Jahre nebeneinander im selben Schrank im selben feuchten Keller gelegen haben, rochen sie nicht gleich.
Neue Bücher gehen durch mehrere Geruchsphasen; wenn sie direkt vom Buchbinder kommen, riechen sie noch relativ stark nach dem Leim, der sie zusammenhält. Später riechen sie dann nach der Druckfarbe und was am längsten bleibt, ist der Geruch des Papiers. Bis sie dann bei jemandem im Wohnzimmer stehen und ganz individuelle Gerüche annehmen.
Secondhand-Bücher riechen oft nach Staub und nach Keller. Oder nach Dachboden. Und auch immer noch ein wenig nach Papier.
Ich hätte gern mal ein Buch, das nach Sommerwiese riecht. Und dessen Papier beim blättern wie Grillengezirpe klingt.
Das war jetzt alles sehr Objektbezogen. Da ist natürlich auch noch die Liebe zum Lesen.
Lesen ist Flucht, lesen ist Ablenkung. Lesen ist Inspiration, Gedankenbeflügelung.
Lesen ist aber auch ein Fantasietöter.
Ich liebe Lesen. Ich hasse Lesen. Gleichzeitig, nicht abwechslungsweise.
Eintauchen in neue Welten, erkunden unbekannter und nicht existierender Gegenden, sich gruseln und ekeln und fürchten vor Monstern, die es nicht wirklich gibt. Sich verlieben in Charaktere, Landschaften, Dinge, die man nie gesehen hat. Sich verlieben in wunderschön geschrieben Sätze und Abschnitte und Kapitel.
Und wenn man dann selber schreibt, weiss man nicht mehr, ob das dreiflügelige, krähenfüssige pinkfarbene Ungeheuer tatsächlich ein eigener Einfall war oder ob man vor Jahren mal ein Buch gelesen hat, in dem so ein Vieh vorkam.
Wenn ich lese, muss ich mir nicht selber Welten erträumen. Die Arbeit wird mir abgenommen. Wenn ich wenig lese, träume ich zwar weniger, aber wenn, dann originelles Zeug. Wenn ich viel lese, schreibe ich zwar mehr, lebe aber in der permanenten Angst, aus Versehen Worte, Ausdrücke, ganze Sätze zu verwenden, die schon jemand vor mir verwendet hat. Nicht absichtlich natürlich, aber bekannterweise ist unser Gehirn ja viel aktiver, als wir vermuten. Und mein fotografisches Gedächtnis findet es toll, sich auch nach Jahren noch genau an gelesene Sätze zu erinnern (vorausgesetzt, die haben mich damals wirklich beeindruckt). Letztes Jahr suchte ich den Satz «Eisbären zogen ihre Kreise auf dem Packeis» in 9 Büchern. Ich wusste genau, dass sich der Abschnitt, in dem dieser Satz vorkommt, im unteren Drittel einer linken Seite befindet. Im ersten Viertel des Buches.
Es handelt sich um einen Krimi von Andrea Camilleri – die kann ich wirklich absolut empfehlen, ich mag die sehr, obwohl ich sonst kaum Krimis lese. Es sind Bücher, mit denen man im Zug sitzt und leise vor sich hin kichert.
Man stelle sich vor, ich hätte nicht mehr gewusst, wo der Satz sich versteckt – ich hätte ewig gesucht.
Da ist auch die Furcht, ein Buch zu Ende zu lesen. Wenn man’s gelesen hat, ist fertig lustig. Da ist nichts mehr, auf das man sich freuen kann. Keine sorgfältig und wortreich skizzierten Landschaften, die man entdecken kann. Keine neue Gasse in einer unbekannten Stadt, durch die man schlendern kann.
Und da ist die Furcht, ein Buch überhaupt zu lesen. Was, wenn man es nicht mag? Das wäre furchtbar ärgerlich.
Was, wenn man es nicht versteht? Wenn das Buch und ich uns … irgendwie nicht finden? Wenn das Buch eine Sprache spricht, die ich nicht verstehe? Wenn es nach der Hälfte plötzlich schlecht wird? Oder wenn man den Hauptcharakter nicht mag? Das wäre echt blöd.
Es gibt Bücher, die habe ich vor lauter Angst, sie nicht zu mögen, gar noch nicht gelesen, obwohl sie schon seit Jahren in einer hintersten Reihe im Ikea-Regal ihr Dasein fristen.
{Das klingt alles irgendwie sehr kindisch. Es wäre gut, zu wissen, dass es auch anderen so (oder zumindest ähnlich) geht.}
Meine meistbesuchten Bücherquellen:
Das Bücherbrocki beim Bahnhof Enge. Auch genannt Bücherkeller: Bederstrasse 4, 8002. Zürich (Bücher sind nach Sprachen und Genre grob sortiert; es gibt auch Schallplatten)
Die Brockenhalle Tigel im Seefeld: Hornbachstrasse 62, 8008 Zürich (Bücher sind nach Sprachen und alphabetisch nach Autor sortiert)
Das Zürcher Brockenhaus beim Hauptbahnhof Zürich: Neugasse 11, 8031 Zürich (Bücher sind nach Sprachen und alphabetisch nach Autor sortiert)
Das Heilsarmee-Brocki in Wetzikon: Zürcherstrasse 35a, 8620 Wetzikon
Dann gab es in Zürich ein wunderbares kleines Buchantiquariat, das leider vor zwei Jahren einem Modegeschäft weichen musste. Ich weine immer noch.
saturday ramblings.
Saturday, April 30th, 2011{big warm hugs to Angie®}
right. I’m in strange mood and in a strange state of mind.
I want to go out and do stuff, buy stuff, old books mainly, to scan the fonts and use them to create stuff, I want a new table but I have nowhere to put it, I want silver boots but I can’t find such a thing round here and for fuck’s sake, I want to be thinner but I can’t buy that anywhere and that annoys the hell out of me.
One minute I think I need a new computer to play all the fancy computer games on, the next minute I remember that 1) I get all sick and headachy when I play computer games and 2) I have no money to buy a really good computer.
One minute I think I need a remote control thing for my DSLR camera to make better photos, the next minute I know that my photos suck anyway and that I don’t need such a thing.
This remote control only costs 30 Francs by the way, so that is not a problem of not having enough money. This is just a problem of me not being able to decide WHAT I FUCKING WANT.
I want to go to Zurich and walk through the city, take photographs of everything and nothing, smiling at the old beautiful buildings and at the fact that nobody else seems to notice their beauty. I want to go on one of those boats on Lake Zurich and travel from Zurich to Rapperswil or the other way round but I know there will be tons of other people because the weather’s so nice and besides, it’s too late to do that today.
I slept 11 hours last night but I look and feel as if I spent those hours in a washing machine running in spin cycle.
There is this graphic tablet sitting on my desk about 70 cm away from me. It is that exact tablet that made me buy windows 7 last year. It was (the not correctly installed) Windows 7 that made my computer slow and rendered me unable to use any of the Adobe progs. It’s the not running Adobe progs that made me use the laptop for the last 7 months because they were still working on it. It’s the tiny screen of the laptop that stopped me from doing anything in any Adobe prog, because I just can’t see a thing on it. It is that circumstance that made me reinstall win7 on the PC. So it is all working again now. Except this bloody tablet which I haven’t installed yet because I just can’t be arsed to to so. I don’t need it. I can’t draw, not on paper, not on a screen, no matter how many graphic tablets I buy.
I should make a bracelet for someone in the UK. I should finish one of the books and send it off.
I have about 50 unread books to read. I have about as many books to write.
I feel the need, the urge to create things. No matter what – write, draw, paint, take photographs, create cards and posters, make music (haha – I don’t even play an instrument), sing, talk. And at the same time, I’m building a wall right in front of me, made of “YOU CAN’T DO THAT!”-bricks.
Do you know that feeling… being bored and feeling unable to do anything at the same time?
It’s like being trapped in a big giant bowl of cotton candy. It smells and it stops you from moving the way you want and the more you try to move, the stickier and slower you get.
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I’ve been listening to this song for days on end now.
Imogen Heap – First Train Home
Frühlingszufriedenheit
Friday, April 15th, 2011Dieser Frühling ist … seltsam. Ich bin sicher, er ist nicht wirklich seltsamer als andere Frühlinge — gibt es den Frühling in der Mehrzahl? — aber mir scheint er anders als die meisten Jahre zuvor.
Die Wiesen verwandelten sich innerhalb von zwei, drei Tagen von wüsten braunen alten Lumpen in strahlend grüne Grasteppiche — vermutlich hätte man, wenn man sich die Zeit genommen hätte, dem Gras beim wachsen zuschauen können.
Es folgte die Zeit, die ich meistens Zwischenzeit nenne, die Zeit zwischen zwei Jahreszeiten, nicht mehr Winter, noch nicht Frühling. Die Wiesen leuchten hellgrün, die Bäume und Büsche sind noch braun und kahl. Nichts passt zusammen. Eigentlich fing diese Zeit schon vorher an, mit den Schneeglöcklein und Primeln, die ihre Köpfe aus dem nassen Frühlingsschnee streckten.
Und jetzt sind wir schon fast in der Multigrünzeit angekommen. Das ist die Zeitspanne zwischen Frühling und Sommer, in der die Wiesen schon sommerlich sattgrün sind, die Bäume und Sträucher aber eher noch frühlingshaft hell. Das ist für mich die schönste Zeit. Die Welt sieht aus wie ein Farbfächer mit lauter Grüntönen. Oft weiss ich gar nicht, wohin ich schauen soll, welches Grün mir am besten gefällt… zuweilen stehe ich da und schaue und staune und Leute müssen um mich herum gehen und schütteln den Kopf.
An solchen Frühlingstagen frage ich mich schon mal, ob wirklich alles so ganz und gar unglaublich grün ist, oder ob mir meine Sinne einen Streich spielen. Vielleicht hat mir jemand einen Filter in die Brille eingebaut, der Farben und Kontraste verstärkt, der Dinge leuchten lässt, die sonst nicht leuchten. Oder vielleicht ist das Wasser, das ich im Büro literweise trinke, gar kein Wasser?
Ernsthaft, hie und da zweifle ich an meinem geistigen Zustand. Ist es möglich, dass die Welt so unglaublich, unwahrscheinlich, beinah unmöglich grün und bunt ist, wie ich sie sehe? Denn ich sehe niemals jemand anderen staunen. Nie höre ich jemanden quietschen vor Freude über eine durch den Asphalt gewachsene Blume. Kaum je sehe ich einen Menschen seinen Begleiter anstupsen und auf eine besonders schön geformte Wolke zeigen. Sogar Regenbögen lösen sich oft ungesehen wieder in Wassertröpfchen auf.
Dann will ich manchmal schreien und toben. SEHT IHR ES NICHT?
Wollt ihr es nicht sehen? Habt ihr verlernt, schöne Dinge zu sehen? Oder erwartet ihr im Alltag schlicht und einfach keine schönen Dinge mehr?
Klar, eine grün leuchtende Wiese mitten in Zürich zu erspähen ist im Vergleich zu, sagen wir mal, der Entdeckung der Pyramiden ein relativ milder Adrenalinstoss.
Aber wenn man dauernd auf grosse Wunder wartet, läuft man da nicht Gefahr, tonnenweise kleine Wunder zu verpassen? Und wenn das grosse Wunder nie kommt — oder wenn man es versäumt, weil man gerade mit dem Auto im Stau stand, als es vorbei kam —und man die kleinen Wunder immer ignoriert, wird man sich da nicht irgendwann ganz furchtbar aufregen?
Bin ich übersensibilisiert? Lasse ich zu viel… Welt in meinen Kopf? Werde ich irgendwann überschnappen, wenn ich mich weiterhin über grünes Gras freue?
{manchmal denke ich, es wäre so einfach glücklich zu sein. Wenn man die Latte für’s Glück nicht so hoch setzen würde. Oder wenn schon nicht glücklich, dann wenigstens zufrieden. Was, wenn glücklich ein unerreichbarer Zustand ist und wir merken das, während wir keuchend unseren letzten Atemzug tun? Wenn zufrieden alles ist, was wir erreichen können?
Zufrieden ist gut. Ich bin zufrieden. Ich habe in den letzten Wochen 3 Säcke mit alten Klamotten für die Kleidersammlung gefüllt, Chaos aufgeräumt und darunter einen Schreibtisch gefunden, den PC wieder in brauchbaren Zustand versetzt; ich habe die blöde kleine Cybershot wieder gefunden und ein paar brauchbare Fotos gemacht; ich habe aus meinen ungelesenen Büchern eine Burg gebaut und sie anschliessend wieder ins Regal gestapelt; ich habe Steuern nachbezahlt, dazu mein Konto überzogen und werde für den Rest des Monats hungern müssen — aber ich werde an Ostern den Herrn Papa sehen und wir werden wandern und vielleicht Zug fahren, reden und schweigen und ich werde noch einen Marcel kennen lernen und viel, viel Bündnerdeutsch hören!}
Ich bin zufrieden.
danach
Monday, April 11th, 2011Gestern Abend war ich mit ehemaligen und aktuellen Arbeitskollegen unterwegs. Na ja, so furchtbar viel waren wir nicht unterwegs, aber immerhin sind wir die knapp zwei Kilometer zum Restaurant und zurück spaziert. Nach dem Abendessen sassen wir in Fs Küche und tranken Kaffee, Wasser, Rum, Likör und weiss der Geier noch was alles — ich blieb beim Wasser.
Es war eine sehr gemischte Gruppe. Vier Frauen, vier Männer, drei Paare, zwei Singles. Die politischen Ansichten reichten von rechts bis links, religiöse von «gar nicht» bis «sehr». Themen waren unter anderem die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der Welt, das soziale System in der Schweiz, arbeitende Mütter vs. Mütter daheim am Herd und mehr Zeug in der Richtung. Viele der anderen sind durch die Welt gereist, erzählten von den Dingen, die sie unterwegs gesehen haben und wir kamen darauf, dass Menschen in eher ärmeren Ländern glücklicher sind. Glücklicher ist möglicherweise das falsche Wort — aber sie haben ganz einfach nicht die Zeit, darüber nachzudenken, ob sie glücklich sind oder ob sie eventuell glücklicher werden könnten, weil sie sich darauf konzentrieren müssen, genug Essen für die ganze Familie auf den Tisch zu bringen. Der Familienzusammenhalt ist so enorm viel stärker als er hier in der Schweiz wahrscheinlich jemals war… das gibt schon zu denken.
Hier gehen Mütter arbeiten, weil die Familie unbedingt ein zweites Auto braucht (das sie wahrscheinlich nicht bräuchten, wenn die Frau nicht arbeitete) oder weil jedes Kind einen Fernseher im Zimmer braucht. Natürlich stimmt der vorhergehende Satz nur bedingt, ich nehme an, die meisten Leute arbeiten, weil sie arbeiten müssen, um Rechnungen zu bezahlen und die Miete und Markenkleider für die Kids… ups, schon wieder. Ich sollte wirklich nicht mehr so ironisch und zynisch sein. Manche Leute verstehen es nicht.
Mein Einwand jedenfalls war der, dass meine Mutter (alleinerziehend) seit ich sieben war auch immer gearbeitet hat. Ich ging nicht in einen Hort, ich wär dort drin wahrscheinlich durchgedreht. Orte mit vielen Gleichaltrigen waren mir nie ganz geheuer. Allerdings war ich über Mittag mehrere Jahre lang bei einer Tagesmutter, ausser mir waren da noch ihr eigener Sohn und ein oder zwei andere Kinder (alles Jungs). Wirklich wohl habe ich mich da nie gefühlt, ich ging hin, ass und ging viel zu früh wieder zur Schule. Das war nicht wirklich irgendjemandes Schuld (ausser meine, natürlich), es war einfach nicht die Art Haus, in dem ich mich wohlfühlen kann. Eine in meinen Augen ekelhaft perfekte Familie, in einem ekelhaft perfekten (aber nicht heimeligen) Haus. Grüne Fensterläden, dunkle Türen, alle mit dem selben Griff, dunkle Ledersofas, pelzige Teppiche im Bad und auf dem Toilettendeckel. Das Zimmer der älteren Tochter (die bei ihrem Vater lebte und nur manchmal dort war) mit rosa Tapete und Kompletteinrichtung aus dem Möbelkatalog. In diesem Zimmer musste ich zweimal übernachten, als meine Mutter mal weg fuhr. Ich hatte nie Probleme damit, an fremden Orten zu schlafen, aber dieses ganze rosa Zeug machte mich fertig. Kurz gesagt, ein steriles Haus. Mit Gartenzwergen und Tonfröschen im Garten. Seit damals hasse ich Gartenzwerge und Tonfrösche.
Es hat mir mit Sicherheit nicht geschadet, dass meine Mutter immer arbeitete. Es hätte mir mit Sicherheit mehr geschadet, in einen Hort gehen zu müssen, als zu dieser Tagesmutter (die übrigens wirklich sehr nett war und gut zu uns geschaut hat). Ich konnte einfach nicht mit anderen Kindern. Sicher hätte ich irgendwo einen Ort gefunden, an den ich mich hätte zurückziehen können, aber ich weiss wie es dort läuft — es wird versucht, die Kinder dazu zu bringen, mit anderen Kindern irgendwas zu machen. Und daran hatte ich absolut gar kein Interesse. Kein Hort der Welt hätte daran etwas ändern können.
Ich bin auch gar nicht sicher… wahrscheinlich wäre meine Mutter übergeschnappt, wenn sie in der Zeit, in der ich in der Schule war, allein zu Hause geblieben wäre. Abends war sie ja daheim, von daher kann ich nicht behaupten, ich hätte sie nicht genug gesehen.
Ich bin schon wieder abgeschweift.
Eigentlich wollte ich die Sache langsam darauf hin steuern, dass A irgendwann sagte, was für sie zähle, sei die Frage «was kommt nach dem Tod?» (ja, sie ist eine aus der Kategorie «sehr»). Sie meinte auch, es sei Ansichtssache, die einen würden an die Hölle glauben, die anderen nicht, aber für sie sei es wichtig, zu wissen, was danach kommt.
Mich persönlich interessiert es einen Scheissdreck, was danach kommt. Der Körper verrottet, das Hirn verwest und alles, was wir waren, geht. Wir bleiben Erinnerungen in den Köpfen und Herzen unserer Freunde — das ist alles. Und es ist verdammt viel!
Ich äusserte meinen Gedanken: wir sollten versuchen, glücklich oder mindestens zufrieden zu sterben, nicht dass wir im Moment des Todes noch irgendwas bereuen müssen. Etwas, das wir nicht getan haben, bereuen, sollte ich präzisieren. Wir werden immer Dinge tun, die wir zu irgend einem späteren Zeitpunkt bereuen, aber bereuen, dass wir etwas nicht getan haben (nach Island fahren, eine Frau küssen, eine Moräne streicheln, ein Stachelschwein umarmen, Fallschirmspringen), das sollte nicht sein! Also sollten wir in jedem Moment so zufrieden wie möglich zu sein.
Was wir alles verpassen, wenn wir die ganze Zeit nur daran denken, was danach kommen könnte und wie wir uns dieses Danach so gemütlich wie möglich gestalten könnten! Was wir alles nicht tun, weil wir Angst haben, wir werden dafür im Jenseits bestraft! Das tue ich mir einfach nicht an. Lieber mache ich mal irgendwas blödes, als dass ich ständig auf Nummer sicher gehe. Angst ist so eine starke Sache. Ein so verdammt grosses Hindernis.
Schiff ahoi!
Monday, March 21st, 2011Morgens im Halbschlaf träume ich die interessantesten Sachen. Auch die seltsamsten. Und die lustigsten.
Heute zum Beispiel träumte ich von einem Zauberspruch, mit dem man das letzte Wort, das jemand ausgesprochen hat, in einen Fluch umwandeln konnte — Fluch im Sinne von «verfluchen».
Ich war mit jemandem in ein Zauberduell verwickelt. Ich weiss nicht, wer es war, aber es war eine Frau.
«Spinnst du?», schrie sie, « hast du einen Vogel?!»
Woraufhin ich einen riesigen violetten Vogel heraufbeschwor und ihn auf sie hetzte. Dann rannte ich los, weil ich Rache fürchtete.
(Wieso war da kein Besen? wofür ist man ein Zauberer, wenn man trotzdem rennen muss? Tss!)
Plötzlich stand sie vor mir, offensichtlich konnte sie dem Vogel entkommen. Das Grinsen auf ihrem Gesicht verhiess nichts Gutes und die Art, wie sie Hand zum Himmel hob und klar und deutlich «Shit!» sagte, liess mich das Schlimmste befürchten. Ich hatte doch nicht… Shit gesagt!
«Schiff!», brüllte ich, «Schiff, nicht Shit, Schiff! Schiff!»
Ich glaube, ich schrie noch einige Male Schiff, um sicherzustellen, dass nicht Shit mein letztes Wort war. Tatsächlich passierte daraufhin nichts ekliges und ich grinste schon siegessicher, aber dann begann der Boden zu schwanken und mir wurde schlecht. Seekrank!
Das fiese Lachen der anderen begleitete mich in die Wirklichkeit und wurde zu meinem, als ich realisierte, was ich wieder für einen Unsinn geträumt hatte.
(Wenn man sich vorstellt, was sie sich sonst alles hätte ausdenken können: Ein Schiff, das vom Himmel auf mich stürzt, ein Gummiboot, das mich mit seinen Rudern grün und blau schlägt, ein Kanu, das mich auffrisst… Da war die Seekrankheit eigentlich noch nett!)
Dementsprechend kleidete ich mich heute wie ein Seemann: dunkelblaue Hose, blau-weiss gestreiftes Top und seltsame Schuhe.
Schiff Ahoi!
Ekelhaftes Gefühl
Wednesday, July 28th, 2010Freitag, 16. Juli 2010
{hier wird dieser Tweet erklärt.}
Heute Morgen um 6.24 Uhr hat es mich überfallen. Es war plötzlich da und wollte nicht mehr weg. Hat sich an meinen Rücken geheftet und da Gänsehaut ausgelöst, hat es in meinen Ohren knistern lassen und in meinem Gehirn Erfrierungen verursacht.
Wovon ich rede? Ich nenne es Ekelgefühl und ich verabscheue es.
Das Gefühl hingegen scheint einen Narren an mir gefressen zu haben.
Das heute Morgen war eigentlich nur eine Erinnerung an das Grauen, das ich damals fühlte. «Damals»meint «jedes Mal, wenn mich das Gefühl im Griff hatte».
Für eine vollumfassende Beschreibung dieses Zustands fehlen mir die Worte, aber er lässt sich so beschreiben:
Du bist nass. Von Kopf bis Fuss tropfnass, Kleidung und Haare kleben an dir. Du bist erkältet, du kannst nicht durch die Nase atmen und bei jedem Atemzug klappt irgendwas in deinen Ohren auf und zu. Auf einem Ohr hörst du praktisch nichts und im anderen hat sich ein penetranter Ton eingenistet, eine Art elektrostatisches Surren.
Deine Haut fühlt sich an wie zum Bersten gespannt. Jedes einzelne der Härchen auf den Armen ist gesträubt wie die Stacheln eines Igels in Gefahr. Du bist irgendwie mit der falschen elektrischen Spannung geladen und es fühlt sich so falsch an, wie eine Katze gegen den Pelz zu streicheln oder mit trockenen, spröden Händen Seidenstoff anzufassen.
Es kommt dir vor, als würde an deinem Rücken keine Haut mehr existieren, Luftzüge scheinen direkt auf dein Rückgrat zu treffen.
Alles in allem fühlt es sich an, als würde dein Innerstes mit dem Äussersten kämpfen, dein Körper scheint wie ein T-Shirt zum Bügeln von innen nach aussen gestülpt. Es fühlt sich alles so unglaublich und abgrundtief falsch an, dass du die sterbliche Hülle am liebsten verlassen würdest.
Ich kann nicht mehr sagen, wann ich das zum ersten Mal erlebte. Das letzte Mal allerdings passierte es auf der Fahrt nach Feldis Ende Mai. Die Leute, auf deren Katze ich dort aufpasste, nahmen mich mit dem Auto mit. Und auf den letzten paar Kilometern kurz vor dem Dorf fing es an. Am liebsten wäre ich ausgestiegen und ein paar Stunden zu Fuss den Berg hoch gestiegen – aber wie hätte ich das erklären sollen?
An diesem 16. Juli dachte ich aus irgendeinem Grund an diese Autofahrt und schon die Erinnerung daran löste Gänsehaut aus…
Trottel. (Erfahrungsbericht)
Wednesday, July 28th, 2010Ich könnte schreien.
Eigentlich habe ich bisher geglaubt, dass ich zwar nicht der intelligenste Mensch auf Erden bin, aber doch auch nicht unbedingt zu den dümmsten gehöre. Aber manchmal – und in letzter Zeit häufiger – beweisen meine Aktionen das Gegenteil.
Ich habe ein neues Grafiktablett gekauft. Bisher benutzte ich ein Wacom Bamboo One, ein kleines Teil mit einer Zeichenfläche im A6-Format. Obwohl ich am PC kaum zeichne, kam ich langsam an meine Grenzen bei der Bildbearbeitung, ausserdem wollte ich sowieso mehr zeichnen (warum ich mir plötzlich in den Kopf gesetzt habe, das am PC tun zu müssen – keine Ahnung), also kaufte ich ein grösseres Tablett von Aiptek (@pieprincess verwendet das selbe Gerät und hat nichts schlechtes darüber gesagt).
Bei der Installation kam die Meldung, man müsse die Treiber eventueller anderer Pen Tablets deinstallieren. Das tat ich. Dann kam eine andere Fehlermeldung: man solle sicherstellen, dass kein anderes Setup läuft und alle anderen Programme beenden. Ich beendete über den Taskmanager alle nicht «lebenswichtigen» Programme. Die selbe Fehlermeldung. Von der Aiptek-Webseite lud ich die neuste Version des Treibers (MacrokeyManager). Funktionierte nicht. Dann fand ich heraus, dass mindestens ein anderer Hersteller das hardwaremässig gleiche Tablett verkauft und lud dessen Treiber herunter. Die Datei hiess zwar anders, aber es war natürlich der selbe MacrokeyManager, der nicht lief. Irgendwo las ich dann, dass der Treiber Windows XP Professional unterstützt – nicht aber Windows XP Home. DAS IST SO TYPISCH FÜR MICH!
Jedenfalls konnte ich das Tablett dann auf dem Laptop (Windows Vista Home Premium) installieren, dort läuft es ohne Probleme, Photoshop erkennt auch die Drucknuancen. Es sieht einfach lächerlich aus: das Tablett ist grösser als der Laptop selber. Es würde mich nicht wundern, wenn die Arbeitsfläche sogar grösser als der Bildschirm wäre.
Auf dem PC installierte ich dann die Software des alten Wacom-Tabletts von der damals mitgelieferten CD. Das Bamboo One funktionierte wieder, ich schloss zum Test mal das Aiptek-Tablett an und staunte: ich konnte es benützen! Natürlich ohne Hotkeys und Macrotasten, aber immerhin. Alles funktionierte ausser die Drucknuancen im Photoshop. Das funktionierte auch mit dem Bamboo nicht. Hatte dann die Idee, den Treiber zu aktualisieren. Der Programmname wurde von «Tablett» zu «Bamboo» geändert, was schon nichts gutes heissen konnte. Neustart. Bamboo-Tablett funktionierte noch, die Sache mit dem Druck allerdings immer noch nicht. Und das Aiptek-Ding funktionierte gar nicht mehr.
Unterdessen war es fast Mitternacht. Bamboo-Treiber wieder deinstalliert. Versucht, die alte Treiberversion von der CD wieder zu installieren. Installationsprogramm blieb hängen. Gleichzeitig die nette Fehlermeldung, dass mit dem Pen-Tablet-Treiber etwas nicht stimmt. Nach drei Versuchen gab ich auf.
Die Sache mit dem Druck kann mit den Pinseleigenschaften in Photoshop ein bisschen verbessert werden – habe gegoogelt und stellte erstaunt fest, dass sogar Leute auf der Deviant-Webseite keine andere Methode kennen, um die Drucknuancen zu verwenden. Am Laptop funktionierte das, ohne dass ich die Pinseleigenschaften anpassen musste. Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, ob Photoshop auf dem PC früher mit dem Wacom-Tablett den Stiftdruck unterstützte – im Moment tut er das mit keinem der beiden Tabletts.
Das ist SO typisch Laura: irgendwas tun und mal schauen, was passiert.
Wenn ich euch jetzt sage, dass ich am Montagabend (aus welchem Grund auch immer, ich weiss es nicht mehr) einige USB-HID-Geräte deaktivierte und dass eines davon die Maus war, die ich nachher nicht mehr benutzen konnte, werdet ihr wohl in Gelächter ausbrechen. Mit Recht! Ich hab mich selber auch minutenlang ausgelacht. Da ich aber nicht total verblödet bin (nur ein bisschen angeblödet, sozusagen), verband ich die USB-Maus dann mit einem USB/PS2-Adapter mit dem PS2-Anschluss.
Hoffentlich kann ich heute Abend diese blöde Sache beenden, indem ich den alten Wacom-Treiber noch einmal installiere. Ansonsten könnte ich auf die nächste dumme Idee kommen und eine Ausgabe von Windows 7 kaufen – ich bin ganz und gar nicht sicher, ob mein vier Jahre alter PC das aushalten würde. Und ehrlich gesagt habe ich lieber einen alten PC, der das Grafiktablett mehr oder weniger akzeptiert als einen alten PC, der gar nicht mehr läuft. Sonst verwandle ich mich eventuell in ein grosses, grünes, schleimiges Monster und den PC in einen Berg Elektroschrott.
Prokrastination
Tuesday, June 29th, 2010{Jetzt, da ich den Eintrag fertig geschrieben habe, müsste ich den Titel eigentlich ändern. In «Prokrastination und andere Seltsamkeiten». Jedenfalls etwas in dieser Art. Aber nun zum Thema:}
Prokrastination:
Erledigungsblockade, Aufschiebeverhalten, Handlungsaufschub, Aufschieberitis.
«Das Verhalten, unangenehme, aber notwendige Dinge immer wieder zu verschieben, statt sie zu erledigen.»
Oder in meinem Fall: ALLES zu verschieben.
Ich besitze die unglaubliche und zweifelhafte Fähigkeit, Dinge nicht zu tun, die ich gerne machen würde, die aber ein bisschen Überwindung brauchen.
Wenn ich hier jetzt Beispiele aufliste, werde ich selber wieder einmal sehen, wie blödsinnig das ist. Trotzdem oder genau deswegen werde ich das jetzt tun:
Bücher lesen. Es klingt unglaublich, aber manchmal denke ich, Bücher zu lesen sei verlorene Zeit. Das Zeug, das ich den Stunden tun könnte, die es mich «kostet», ein Buch zu lesen! Seitenweise schreiben, kilometerweit rennen, den Handstand üben, meine Haare abschneiden, einen Song komponieren…! Die Tatsache, dass ich sowieso nichts von all dem tun werde (und einiges davon nicht einmal kann), hindert mich nicht daran, trotzdem kein Buch zu lesen.
Dann gibt es da noch einen anderen Aspekt: wenn ein Buch gelesen ist, ist die Beziehung zu ihm auch zu Ende. In den allermeisten Fällen. Die Spannung, die Neugier, die Unruhe die einen immer wieder in die Nähe des Buches trieben, sind verflogen. Selten kommt es vor, dass ich noch Tage nach dem Zu-Ende-Lesen eines Buches an die Geschichte denke.
Eigentlich gibt es einen Haufen anderer Aspekte. Zum Beispiel die Angst, mit dem Lesen eines Buches die eigene Fantasie zu vertreiben.
Schreiben. Schon mehrmals sah ich Ausschreibungen für Schreibwettbewerbe. Ein einziges Mal habe ich es bisher geschafft, einen Text einzureichen. Den habe ich in der Nacht vor dem Einsendeschluss geschrieben. Und mich dementsprechend nicht darüber gewundert, dass er es nicht unter die besten 20 geschafft hat. Mit dem Schreiben ist es so: Je mehr Zeit ich mit einem Text verbringe, desto mehr fällt mir auf, wie schlecht er ist. Oder wenn er zu Beginn vielleicht nicht schlecht oder sogar gut war, beginne ich beim erneuten Lesen mit umschreiben, umformulieren, löschen, neu schreiben, bis er schlussendlich zu einer Katastrophe mutiert. Die SVA (Abschlussarbeit, die für die Lehrabschlussprüfung zählt) war der erste Text, den ich zwei Wochen vor dem Abgabedatum fertig hatte. aber auch nur, weil ich mir noch etwas für die Herstellung des «Buches» einfallen lassen musste. Alles in allem war das Ding eine Woche zu früh fertig.
Projekte. Wann immer ich an Projekten einer Internetgemeinschaft mitmache, komme ich arg ins Schleudern. Mehrheitlich aus den selben Gründen wie beim Schreiben: Ich bin der Meinung, dass ich absolut nicht zeichnen kann. Was wahrscheinlich teilweise auch stimmt. Aber ich finde grundsätzlich alles, was ich aus dem Kopf zeichne, grauenhaft. Und weil es mir vor meinen Zeichnungen graust, zeichne ich lieber gar nicht, obwohl mir klar ist, dass ich dann auch nicht besser werde. Das alles resultiert dann darin, dass ich in einer Nachtschicht in Photoshop etwas bastle, das andere toll finden und ich eher nicht.
Briefe öffnen. Ich habe eine unglaubliche Angst vor Post. Eine nicht ganz irrationale Furcht vor Rechnungen. Es kann passieren, dass ich Briefe drei Wochen lang nicht öffne, wenn zwar nicht weiss, aber doch ahne, was darin ist.
Telefonieren. Telefone sind die schlimmste (gut, MIT die schlimmste, direkt nach Atombomben und ähnlichem) Erfindung seit Menschengedenken. Da sind Leute am anderen Ende, die etwas von einem wollen, einen aber nicht kennen. Sie fragen, wie gut man englisch kann, bei welcher Versicherung man ist, labern einen mit Zeug voll, schneller als man zuhören kann.
Wenn ich geschäftlich jemanden anrufen muss, weiss ich nicht, wie der andere mir gesinnt ist, ob er freundlich ist, gut gelaunt, traurig oder krank. Ich fürchte mich vor unfreundlichen Menschen, obwohl ich selber nicht der freundlichste Mensch der Welt bin. Aber ich versuche doch, niemandem schnippisch zu antworten oder ihn zu beleidigen.
Muss ich privat jemanden anrufen, hat es mich zu interessieren, wie es ihm geht. Ich habe zuzuhören und soll aus der Stimme herausfiltern können, wie es dem kilometerweit entfernten Menschen geht. Wie soll ich das anstellen, wo ich doch nicht einmal einer mir gegenüber stehenden Person ansehe, wie es um sie steht? Ich fürchte mich davor, eine kranke Person am Telefon zu haben, und es nicht zu merken. {Mein letztes Mobiltelefon hatte ich drei Jahre. Anrufdauer sämtlicher Anrufe: 6 Stunden und ein paar Minuten.}
Krankenhaus- oder Klinikbesuche. Wenn ich krank bin, will ich niemanden sehen. Und ich mache immer wieder den Fehler, von mir auf andere zu schliessen. Ausserdem (und ich weiss, dass das enorm egoistisch von mir ist) fürchte ich mich davor, Leute, die ich kenne in (vor allem psychisch) labilem Zustand zu sehen. Wahrscheinlich befürchte ich, dass mich das selber komplett aus der Bahn werfen würde.
{Sowieso scheine ich weniger Kontakt zu Menschen zu brauchen, als die meisten Leute, die ich kenne. Die Woche in Feldis hat mir das einmal mehr gezeigt: Ich hätte eine Woche lang mit niemandem kommuniziert, aber meine Mutter rief mich schon am Dienstag an. (Und ja, sie hat mich damit echt genervt.) Sie telefoniert auch stundenlang mit ihrer Freundin, auch wenn sie sie am selben Tag schon 4 Stunden gesehen hat.}
Ich glaube, das reicht. Man merkt, worauf ich hinaus will. Nennt mich Queen of procrastination!
sʇɥƃnoɥʇ uǝʇloɯ
Thursday, June 10th, 2010Ich befinde mich in einem seltsamen Zustand.
Da sind tonnenweise Ideen in meinem Kopf, ich explodiere fast vor Fantasie und Worten und Bildern und Farben. Aber irgendwie verlieren sie sich auf dem Weg vom Hirn zu den Fingerspitzen. Sie lösen sich auf, vermischen sich mit meinem Blut und werden weggeschwemmt.
Ich erkenne Gedankenfetzen, die wie Spinnweben durch die Luft schweben und in dem Moment verschwinden, in dem ich meine Hand nach ihnen ausstrecke. Sie sind hellgrün, rot und gelb und lila, türkisgrün und -blau. Manchmal sind sie auch Melodien, die von weit her erklingen. Grillenzirpen. Geigen. Handorgel. Ein leiser Jodel.
Sie sind wandelbar. Und sie sind flüchtiger als Gas.

