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Hohlkopf

Thursday, September 15th, 2011

Ja, Hohlkopf. Oder Holzkopf. Oder Strohkopf.
DER HOHLKOPF BIN ICH.

Ich fühle mich ausserordentlich nutzlos und überflüssig im Moment. Niemand braucht mich, ich selber brauche mich am wenigsten. Ich gehe mir selber aus dem Weg und zugleich auch allen anderen, damit die mich nicht an mich selber erinnern. Ich weiss nicht, was ich mit mir anfangen soll.
Falte kiloweise Papier, um Notizbücher draus zu machen. Kaufe Lederresten, zum selben Zweck. Mache zuweilen auch tatsächlich mal ein Buch fertig. Und verschenke es, weil ich der Meinung bin, dass mir mit Sicherheit niemals etwas einfällt, das es Wert wäre, in ein in Handarbeit hergestelltes Buch zu schreiben.

Es läuft nichts. Ich will schreiben, aber ich kann nicht. Ich kann nicht, weil es nicht mache. Weil ich denke, dass ich es nicht kann. Technisch wäre es möglich. Ich kenne Worte, ich kann Sätze bilden, ich habe Fantasie, mir fällt seltsames Zeug ein, ich habe Hände, Schreiber und Papier, eine Schreibmaschine, einen Computer. Ich muss ja nicht etwas schreiben, das auch gelesen wird. Ich müsste bloss einmal überhaupt irgendwas schreiben.

Die Friendly Fires pusten mir gerade mein verschrumpeltes kleines Hirn aus der Birne. Andauernd höre ich Musik, um den Gedanken zu entfliehen. Ich lese sogar Krimis von Agatha Christie und andere Bücher, bei denen meine kleinen grauen Zellen einigermassen beschäftigt sind. Damit sie sich nicht mit dem «realen Leben» beschäftigen.

Am liebsten würde ich mich hinter mir lassen. Oder durch irgendeinen reinigenden Sumpf waten oder durch einen säubernden Bergsee schwimmen oder von mir aus eine stinkende klärende Brühe trinken, damit mein Hirn und meine Gedanken gereinigt werden und alles, was zurück bleibt, ein perfektes reines ICH ist, ein ICH mit guter Laune und genug Geld und Talent und ohne Hemmungen und Ängste, dafür mit Pfeffer im Arsch. Streichen wir das Geld, der Rest würde mir reichen.Und der Pfeffer im Arsch ist bitte nicht wörtlich zu nehmen.

Muss es denn so anstrengend sein, dieses Leben? Gehört sich das so? Dass man seine Hand mit den Knöcheln voran in eine Wand haut, wenn einem die rasende rote Wut überkommt? Dass man mit aller Kraft mit den Zehen voran in einen Betonpfeiler tritt, obwohl man genau weiss, wie sehr einem danach der Fuss schmerzt? Dass man sich irgendwie weh tut, damit nur diese verdammte Wut weg geht oder der Schmerz oder irgend ein anderes blödes Gefühl? Und vor allem… ist es normal, dass das dann auch tatsächlich funktioniert?

Heute habe ich irgendwo geschrieben, dass man nur im Internet zugibt, dass man einen Knacks hat. Ich sage das laut und deutlich im «realen Leben». Aber keiner glaubt es. Ich verstehe das. Man will solche Sachen gar nicht glauben, man will dass alles normal ist. NORMAL!

 

«Du kannst doch keine verschiedenfarbigen Socken tragen, du bist doch kein Kind mehr?»

«Wieso trägst du Plastikschmuck? eine goldene Kette mit einem Herzanhänger würde dir doch viel besser stehen.»

«Warum sind deine Haare auf der einen Kopfhälfte lang und auf der anderen kurz? Hat dein Geld nicht für beide Seiten gereicht?»

«Du trägst LEGO um den Hals? Bist du ein Kind?»

«Selbstbemalte T-Shirts?!?»

«Warum schreibst du denn beim Kreuzworträtsel nur das Lösungswort hin?»

 

Ich sag euch was. Das sind meine verzweifelten Versuche, nicht im grauen Sumpf des Alltags zu ertrinken. Oder ersticken. Ist ja im Endeffekt gleich unangenehm.

Der Herbst kommt, und irgendwas muss passieren.

Irgendwas muss passieren.

Irgendwas.

 

 

{Ich gehe jetzt einen Brief schreiben.}