silberner fuchs {unsinn 12.06.08}

Manchmal habe ich wirklich genug von diesem Leben. So genug, dass es von mir aus aufhören könnte.
Nicht so, dass ich sterben will, das nun nicht, aber so, dass es mich nicht weiter stören würde, wenn … nun ja, schwer zu erklären, das ganze.

Meistens (bisher eigentlich immer) schickt mir das Leben, diese alte Ratte, dann aber irgendwas so wunderschönes vorbei, dass ich dann doch ziemlich angepisst wäre, wenn es aufhören würde.

Kann sein, dass ich gerade im halbdunkeln nach Hause laufe und dazu so traurige Musik höre, dass mir fast das Herz einfriert dabei; dass ich mir gerade überlege, wozu ich eigentlich am Morgen überhaupt aufgestanden bin, und dann kommt plötzlich ein Fuchs aus dem Kornfeld, ein kleiner Fuchs, der im Licht des Mondes silbern schimmert. Ich bleibe stehen und er bleibt stehen für einen Augenblick starren wir uns an. Er ist in diesem Moment das schönste, das mir jemals über den Weg gelaufen ist und ich bin das schrecklichste, das er in seinem Leben je erblickt hat.
Und ganz plötzlich weiss ich, wozu ich am Morgen aufstehe: um im Mondschein Füchsen zu begegnen.
Um im schneelosen Winter mit dem Monsterpferd ein Wiesel im Wald zu erspähen. Um mitten in der Nacht einen Igel über die Strasse zu begleiten, damit ihn keiner überfährt. Um beim Mittagessen unter dem Baum an meinem Glas eine wunderschöne perlmutterfarbene Spinne zu entdecken. Einer Ameise beim Im-Kreis-Rennen zuzusehen. Am Sonntagmorgen im Wald durch nebelnasse Spinnweben zu reiten. Froschkonzerte zu hören. Schneeflocken zu beobachten.

Auch wenn da manchmal sonst kein Grund ist, es kann immer sein, dass ich etwas wunderbares antreffe. Und es wäre ja blöd, wenn ich das verpassen würde.

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