Die Tage. {unsinn 14.04.17}

Kämpfe mit WordPress und installiere ein neues Theme zwar erfolgreich – dann aber werden die Icons, die zu den unter jedem Eintrag angezeigten Kategorien und Kommentaren gehören, nicht angezeigt. Jedenfalls halte ich sie für Icons, also kleine Bildchen und suche verzweifelt jedes Verzeichnis danach ab, aktiviere andere Themes und finde irgendwann (nach Tagen) heraus, dass es eben keine Bildchen sind, sondern ein Teil einer Schriftart, die sich im Theme-Ordner befindet. Da die ganzen anderen Schriften auf der Seite richtig angezeigt werden, kam ich nicht früher darauf, dass die kleine Sprechblase und das andere Ding Zeichen aus einer Schriftart sein könnten. So aber ist mir auf einen Blick klar, dass aufgrund meiner nicht ganz standardmässigen Ordnerstruktur die ttf-Datei nicht da liegt, wo das CSS-File sie vermutet – ich vervollständige die URL und das Problem ist gelöst.
Dann staune ich über mich selber, fehlende oder nicht geladene Schriften sind eigentlich ein Teil meines täglichen Lebens, aber wenn sie mir im Internet statt im InDesign begegnen, erkenne ich sie nicht. Minutenlanges Kopfschütteln.

Ausritt mit der Schimmelreiterin am Sonntag, das Torkeltier läuft ohne zu trotzen vom Hof weg und benimmt sich wie ein ganz normales Pferd. Im Seewadel wollen wir den steilen schmalen Weg hinauf, auf diesem befindet sich aber schon eine kleine Kutsche, die uns entgegenkommt, was der Schimmel nicht so toll findet und rückwärts wieder aus dem Wald rennt. Die Möglichkeit, dass der an dem Wagen vorbeiläuft, ohne seine Reiterin an einem Baum abzustreifen, sind gering. Dummerweise kommt von hinten noch eine Kutsche, der Zweispänner von drei Käffern weiter, die einzige Möglichkeit, das Ried unbeschadet zu verlassen, besteht darin, in Richtung Strasse zu traben. Das Torkeltier und ich ziehen vor, der Schimmel kommt glücklicherweise nach einigem Zögern mit.

Irgendwann ist wieder Montag und ich gehe ins Kino, wie immer nach einigem Zaudern und Zögern und Hin-und-her-Überlegen, ob ich denn wirklich schon wieder ins Kino gehen soll, aber schliesslich muss man den Kinomontag in Zürich ja ausnutzen, wenn’s ihn schon gibt und man für 13 Franken jeden beliebigen Film sehen kann. Es ist jedes Mal das selbe, ich will einen Film sehen, entschliesse mich im Büro, ihn schauen zu gehen und in der Viertelstunde, in der ich vom Büro zum Bahnhof laufe, entscheide ich mich siebenmal dafür, ihn doch nicht zu schauen, wer braucht schon Kino, das ist doch nur Ablenkung vom wirklichen Leben und ich sollte mich mehr mit diesem sogenannten realen Leben beschäftigen und selber Dinge kreieren, nicht Filme, nicht einmal Fotos, schon gar keine Zeichnungen, aber Collagen kann jeder Trottel machen, das sollte sogar ich zustande bringen, da könnte ich mich mal dahinter klemmen. In jenem Fall entschied ich mich also siebenmal gegen den Kinogang und achtmal dafür, sass um viertel vor sechs im Arthouse Le Paris und schaute Yves Saint Laurent.

Ich muss grinsen, als andere Leute in den Kinosaal kommen, es sind wandelnde Klischees, die sich da hinsetzen und ich trete mich geistig dafür, dass ich diese Klischees kenne und als solche wahrnehme. Einer der jungen Männer hat haarscharf dieselbe Frisur wie der Darsteller des Yves Saint Laurent im Film, sogar die Brillenform stimmt. Es ist ein schöner Film, mit viel Liebe zum Detail gemacht, stark gespielt bis in die kleinste Nebenrolle. Klar stimmt nicht jedes «biografische» Detail mit der Wirklichkeit überein, aber das muss ja auch nicht sein.

Langsam bewegen wir uns wieder Richtung Sommer und irgendwie mag ich das. Nicht den Sommer an sich, nicht die Sommerhitze, nicht den staubigen Reitplatz, nicht die Menschen, die wieder aus den Häusern strömen, Tieren gleich, die vor einem Waldbrand flüchten, aber die fröhlichere Grundstimmung, die Helligkeit, das laute Gezirpe der Grillen, das mag ich.
Und die Tatsache, dass es noch hell ist, wenn man das Kino nach der 17-Uhr-45-Vorstellung verlässt.

 

{irgendwann fällt mir ein: Leben ist Kino ohne Popcorn.}

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