frühsommerdienstag.

Morgens ist es noch kalt. Sechs Grad über null. Ich trage T-Shirt und Halstuch. Mutter findet meine Frisur gut, die ich in fünf Minuten hingewurstelt hab.
Am Bahnhof sind Leute mit Schal und Lederjacke und Stiefel und andere Leute in kurzen Hosen und T-Shirts. Und solche in sehr kurzen Hosen und Trägertops und FlipFlops.

Im Büro warte ich mehr oder weniger den ganzen Tag auf Druckdaten von einer Bank, auf die wir schon seit anderthalb Wochen warten; gestalte unterdessen ein Plakat und belichte ein paar Platten. Um halb vier verkünde ich, dass ich den Stollen jetzt zu verlassen gedenke und dass die Bank mich mal kreuzweise kann. Kaum eine Dreiviertelstunde später schickt mir W1 eine SMS, die Daten seien da. Meint: ich bin morgen um halb sieben bei der Arbeit.

Der Zug nach Zürich ist relativ leer. Ich geniesse das und denke mit Grauen daran, dass das auf der Heimfahrt nicht so sein wird.
Im H&M kaufe ich sieben Millionen T-Shirts und zwei Hosen. An der Unterseite des Rolltreppenhandlaufs klebt ein riesiger Kaugummi. Ich grinse, als ich den entdecke.
Ansonsten entdecke ich heute in Zürich nicht viel. Das 13er-Tram ist dermassen voll, dass ich kaum atmen kann. Nach dem Limmatplatz wird’s besser.

Als ich den Famous Ape betrete, muss ich sofort lächeln: da läuft Adam Green! Ich beschliesse, der Verkäuferin zur Musikwahl zu gratulieren. Den Anti-Stress-Ball in Space-Invader-Form, wegen dem ich eigentlich gekommen war, gibt’s nicht mehr. Frage bei der Auftraggeberin nach, ob ein Rubik’s-Cube-Anti-Stress-Ball wohl auch den Zweck erfüllen würde – er würde. Oder wird müssen. Spontan beschliesse ich, auch noch den orangefarbenen Blitzkettenanhänger zu kaufen – Puzzleteilanhänger hat es leider keine mehr.

«Gute Musik!», sage ich wie geplant zur Verkäuferin. Sie grinst, bedankt sich und erklärt mir, dass heute der erste Tag seit langem sei, an dem sie ihren iPod mitgebracht hat, weil sie die ewig gleichen CDs nicht mehr hören könne. Umso mehr freut sie sich über mein Kompliment.

Beim Bahnhof Hardbrücke zahle ich achteinhalb Franken für ein Sandwich, das warm wahrscheinlich sein Geld eher wert gewesen wäre. So ist es einfach ein Brötchen mit Auberginen und fettigen eingelegten Tomaten drin.

Der Zug zurück aufs Land ist nicht so voll wie befürchtet. Nicht am Hauptbahnhof einzusteigen war eine gute Idee – prompt füllt er sich an den nächsten beiden Haltestellen.

Ich stelle wahrscheinlich einen neuen Rekord auf in der Kategorie «Pferd aus der Boxe holen, abbürsten, bandagieren und satteln» weil N1s Pferd schon fast gesattelt da steht, als ich komme. Auf dem Ausritt reden wir über Männer und ihre Fixierung auf das Äussere – sie erzählt von einem Kerl, der erst einen Abend lang mit ihr quatscht und später ihre dünnere Freundin via SMS um eine Verabredung bittet. «Sind doch alle gleich, die Typen!» beschliessen wir, wohl wissend (und vor allem hoffend), dass es auch andere gibt. (ist im übrigen ja nicht so, dass Frauen weniger aufs Äussere schauen. Na ja, vielleicht ein wenig weniger.)

Fies kichernd kippe ich dem Monsterpferd den ekligen Hustentee in die Tränke.

Auf dem Pult im Stall steht ein zerbröckelter Osterhase aus weisser Schokolade. Ich probiere ein Stück und weiss sofort wieder, warum ich das sonst nie tue: weisse Schokolade ist einfach ekelhaft.

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Meine Füsse sind kalt geworden.

Bald werden mir die Ideen für Blogeintragtitel ausgehen.

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