Schöne Dinge I.

Ich mag, wie meine Fussgelenke in den Steigbügeln federn. Ich mag, wenn das Torkeltier sich unter mir bewegt und es sich anfühlt als würden wir uns miteinander bewegen und nicht jeder für sich. Ich mag, wie es mit gespitzten Ohren im Stallgang steht und drein schaut, als könnte es kein Wässerlein trüben, dabei hat es die letzten fünf Minuten lang versucht, sich die Glocken und Gamaschen von den Hinterbeinen zu streifen. Ich mag es, wenn im Stall gefrässiges Schweigen herrscht.

Ich mag es, wenn der Kater als Knäuel auf meinem Rücken liegt. Oder lang ausgestreckt auf meinem Bauch, sein Kopf unter meinem Kinn. Ich mag, wie er immer vor mir an meiner Haustüre ankommt, auch wenn sein Weg dahin doppelt so lang ist wie meiner. Ich mag, wie er den Nachbarskater anknurrt und die Zähne fletscht.

Ich mag das Rattern von Zugrädern auf Gleisen und die Regentropfen am Abteilfenster. Ich mag die Fahrt von Pfäffikon nach Chur und dass man vom InterRegio aus im Winter die Schneefallgrenze als gerade Linie an den Bergen erkennen kann. Ich mag das Plätschern des kleinen Baches in der Ebene zwischen Trin Mulin und Pintrun. Ich mag die Süsswasserkrebse, die in den Ufernischen des Crestasees hausen und besonders mag ich das winzige Inselchen mit dem einzelnen Baum, das sich nur wenige Meter vom Ufer entfernt befindet.

Ich mag es, an Konzerten den Bass im Bauch wummern zu spüren. Ich mag es, im Winter in der Dämmerung durchs verschneite Zürich zu spazieren, in dem Teil, der ein bisschen wie die Winkelgasse aussieht. Ich mag es, mich kopfvoran in knietiefen frisch gefallenen Pulverschnee fallen zu lassen. Ich mag den Geruch von frisch gedruckten Büchern. Und den Geruch, den meine Bettwäsche hat, wenn sie ein paar Stunden zum Auslüften in der Frühlingsluft hing. Ich mag die Farbe des Crestasees im Sommer und die Berge, die sich in der glatten Wasserfläche spiegeln, wenn der Wind nicht bläst.

Ich mag die Melodie und die ungewohnten Wörter des Walliserdeutschen Dialektes. Ich mag das Grillenzirpen, das um diese Jahreszeit wie eine Geräuschwand in der Landschaft steht. Ich mag das Funkeln der Sterne in einer klaren Nacht und das leise Rascheln des Schnees, das zu hören ist, wenn er über Starkstromleitungen rieselt. Ich mag das Gefühl von Nebel, der so dicht ist, dass er greifbar zu sein scheint und einen wie ein kühles feuchtes Tuch umwickelt. Ich mag den Dunst, der an Herbstmorgen vom feuchten Waldboden aufsteigt, und ich mag ihn besonders, wenn die Sonne ihre Strahlen durch die Baumstämme schickt und zusammen mit dem Dunst den Wald leuchten lässt.

Ich mag Spinnennetze voller Tautropfen, die man frühmorgens in den hohen Wiesen hängen sieht. Ich mag die Spinne mit den gestreiften Beinen, die bei mir im Badezimmer lebt und mir die Mücken vom Leibe hält. Ich mag den Frühling und die sieben Millionen verschiedene Grün, die er mit sich bringt.

Ich mag das Wort «salbeigrün», das ich soeben zum ersten Mal gelesen habe.
Ich mag das Rauschen eines Frühlingsregen im jungen grünen Laub. Und ich mochte immer ganz besonders das Prasseln und Rumpeln eines Sommergewitters, während ich in Pintrun im alten Stall im Heu lag und mir Geschichten ausdachte.

3 thoughts on “Schöne Dinge I.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.